Ganztagsgrundschule in Ladenburg: Wo die Debatte steht
Der Gemeinderat wird voraussichtlich 2027 entscheiden, ob aus den beiden Ladenburger Grundschulen gebundene Ganztagsschulen werden. Eine Elternbefragung, deren Ergebnisse Ende September dem Bildungsausschuss vorgestellt wurden, ergab eine klare Mehrheit für das Vorhaben: 313 von 432 teilnehmenden Familien (72 Prozent) befürworten ein verpflichtendes Ganztagsangebot, 119 Familien (28 Prozent) lehnen es ab.
Die Befragung im Detail
Die Rücklaufquote lag laut Mannheimer Morgen bei 71 Prozent; die Stadtverwaltung wertete die Beteiligung als belastbare politische Orientierung. An der Astrid-Lindgren-Schule stimmten 83 Prozent der Eltern für das Ganztagsmodell, an der Dalberg-Schule 67 Prozent. Nach Angaben der Verwaltung wünschen sich 77 Prozent der Befragten mindestens vier Tage mit je sieben Stunden Betreuung. Bürgermeister Stefan Schmutz betonte im Bildungsausschuss: „Entschieden wird heute noch nichts, es geht um ein Stimmungsbild." (Mannheimer Morgen, 29.09.2026)
Was geplant ist
Seit dem 1. September gilt der gesetzliche Anspruch auf Ganztagsbetreuung — 48 Wochen im Jahr, montags bis freitags je acht Stunden. Das „Ladenburger Modell" sieht gebundene Ganztagsschulen an beiden Standorten vor: Unterricht und Betreuung an vier Tagen von 8 bis 15 Uhr, freitags bis 12.30 Uhr, dazu Mittagessen, Hausaufgaben- und Lernbetreuung. Anders als die bisherige, kostenpflichtige Nachmittagsbetreuung wäre das Angebot kostenfrei.
Vorausgesetzt, der Gemeinderat stimmt 2027 zu, sollen 2028 die baulichen und organisatorischen Vorbereitungen beginnen. Im September 2029 soll der erste Standort als Ganztagsgrundschule öffnen, zwei Jahre später der zweite. Welche Schule zuerst kommt, steht ebenso wenig fest wie die Frage, ob beide tatsächlich umgestellt werden können. Ein Info-Abend soll folgen.
Erste Konzepte haben beide Schulteams vorgelegt. Die Dalberg-Schule arbeitet seit vergangenem Jahr mit einer Steuergruppe aus Lehrkräften, Eltern und externen Partnern an einer „Schule als Lern- und Lebensort". Die Astrid-Lindgren-Schule plant einen Tagesrhythmus aus Unterricht, Lernzeiten, Freizeit und Entspannungsphasen. Offen sind weiterhin Personal und Räume: Wo die Kinder der Dalberg-Schule künftig essen, ist ungeklärt, die kleine, alte Turnhalle der Astrid-Lindgren-Schule gilt als Problem.
Woran sich die FDP orientiert
Ernst Peters, Vorsitzender des Ortsverbands und der FDP-Ratsgruppe, hat sich im Sommerinterview mit dem Mannheimer Morgen (7. September 2026) zur Frage geäußert. Sein Fazit: „Wir sind für Wahlfreiheit, aber die Nachfrage und die Konzepte der Schulen sind entscheidend."
Die Nachfrage ist für ihn keine These: 70 bis 80 Prozent der Eltern hätten bei einer Abfrage Betreuungsbedarf angemeldet. Ob eine Ganztagsschule sinnvoll sei, müsse im Dialog mit den Schulen entschieden werden, auf der Basis der Konzepte, die diese erarbeiten. Im Bildungsausschuss wurde er mit dem Satz zitiert: „Nur ein gutes Schulkonzept ermöglicht eine gelingende Ganztagsschule." (Mannheimer Morgen, 29.09.2026)
Im Rat ist die Frage umstritten. Nach Darstellung des Mannheimer Morgen sprechen sich CDU, Teile der SPD, FDP und BfL für Wahlfreiheit aus — eine Schule soll demnach Halbtagsschule mit kostenpflichtiger Nachmittagsbetreuung bleiben. Grüne und die übrige SPD unterstützen Bürgermeister Schmutz, der beide Standorte umstellen will.
Für die FDP bleiben bis zur Entscheidung zwei Dinge maßgeblich: die Nachfrage der Familien und die Qualität der Schulkonzepte.